Jahresbericht 2017

2017 war ein sehr wichtiges Jahr. Nach der Übersiedlung von Cindy Puello Ende 2016 nach Santo Domingo konnten die Pläne effizient umgesetzt werden. Wir durften so einige sehr interessante Projekte verwirklichen. Hier ein kleiner Überblick:

Beratungsräume

Aufgrund des Netzwerkes konnte eine verhältnismässig günstige Immobilie angemietet werden. Zwar waren noch einige Renovations-Arbeiten umzusetzen und manches musste noch ergänzt werden. Das war aber auch eine ausgezeichnete Möglichkeit schon die ersten Arbeiter mit in dieses Projekt einzubeziehen und wichtige Erfahrungen zu sammeln. So konnten ab März zwei Räume für die Beratungsstelle bereitgestellt werden. 
Schon in den ersten Wochen wurde das Angebot sehr gut angenommen. Dabei konnten wir einerseits einen Überblick gewinnen und auch erste Vernetzungsarbeit betreiben. Dabei hat sich schnell das Bild ergeben, dass die jungen Menschen sehr engagiert sind eine Arbeit zu finden, dass es aber kaum Möglichkeiten gibt eine Ausbildung zu absolvieren. Dadurch sind die Verdienstmöglichkeiten als ungelernte Hilfsarbeiter sehr gering. Diesem Umstand werden wir uns deshalb in den nächsten Jahren besonders stark widmen.

Umfragen

Um noch einen besseren Überblick über die Situation und die Bedingungen der Betroffenen zu erhalten, führte ein 3 köpfiges Team unter der Leitung von Cindy Puello Umfragen durch. Dazu wurden an neuralgischen Punkten sowohl Jugendliche (48) befragt als auch Gewerbetreibende (12) und Immobilienbesitzer (6) mit einbezogen. Dabei gab es 3 Schwerpunkte:

  1.  Bei den schlecht ausgebildeten Jungendlichen herrscht durchgehend Hoffnungslosigkeit. Ihnen ist bewusst, dass sie kaum eine Chance haben eine Familie zu ernähren. Vor allem die Mädchen sehen ihre Zukunft pessimistisch. Sie orientieren sich in grosser Zahl daran ins Ausland zu ziehen (vorzugsweise USA oder Europa). 83% der Befragten gaben aber an, wenn sie eine Chance im Land auf Ausbildung und Anstellung mit ausreichendem Lohn hätten würden sie diese Möglichkeit sofort wahrnehmen. Fast alle streben dabei eine selbständige Tätigkeit an.
  2. Das Gewerbe ist sehr zurückhaltend was konkrete Vereinbarungen betrifft. Unternehmer sind kaum bereit die jungen Menschen fundiert auszubilden. Sie bedienen sich eher in dem grossen Angebot an Arbeitssuchenden je nach Bedarf und stellen die Arbeiter nur temporär ein. Mitarbeiter einzuarbeiten und auch Lernfelder zu bieten scheint für viele zu aufwendig zu sein.
  3. Auch Immobilien-Besitzer sind kaum bereit Experimente zu machen. Liegenschaften werden nur an Personen vermietet, die über ausreichend Reserven und Einkommen verfügen. Unter diesen Bedingungen, ohne eine Möglichkeit auf Förderung, ist der Start in eine selbständige Tätigkeit nicht möglich. 
So schliessen wir das Resümee diese 3 Hauptpunkte in die Zielsetzung aufzunehmen:
  1. Wir bieten eine möglichst fundierte Ausbildung und sorgen für eine angemessene Anschlusslösung
  2. Wir bauen ein Vertrauensverhältnis zum Gewerbe auf und vermitteln so unsere Lehrabgänger in dieses Netzwerk
  3. Wir bilden eine Koordination-Funktion und unterstützen junge Erwachsene beim Aufbau einer selbständigen Tätigkeit

Web-Workshop

Bei den Gesprächen mit den Jugendlichen zeigte sich, dass relativ wenige ein klares Bild von der Zukunft haben. Wie könnte eine selbständige Tätigkeit gestaltet werden? Was könnte angeboten werden und wie würde das aussehen? Um die jungen Menschen bei der Visualisierung zu helfen wurde ein Workshop organisiert. Dabei wurden mögliche Tätigkeiten innerhalb der Dienstleistung besprochen und anhand von virtuellen Webseiten umgesetzt. Diese Technik ermöglichst es den Teilnehmenden das Ziel zu fokussieren und konzentriert darauf hinzuarbeiten. Bei der jeweiligen Umsetzung stand unser Team zur Seite. Als Anschauungsmaterial dienten die Seiten: anacaonatours, a-garb und cindycate. Am Workshop nahmen 4 Mädchen und Jungen im Alter von 14 - 17 Jahren teil. Dabei konnten wir auch die länderübergreifende Zusammenarbeit festigen. Stephan Mayenknecht übernahm beim Kurs Teile der Gestaltung und die Vernetzung zum Web-Hosting. Die Kommunikation über Skype funktioniert problemlos, von einigen Stromausfällen abgesehen.

Renacer Taller

Im Laufe des Jahres gab es immer wieder vereinzelte Arbeitseinsätze, bei denen Interessierte am Projekt mit einbezogen wurden. Das führte in der Folge zur Gründung der  Arbeitsgruppe Renacer Taller,  die auch in Zukunft als Team zusammenarbeiten möchte und so stärker auf dem Markt auftreten kann. Für die Muster-Arbeit konnte eine Dachterrasse gestaltet werden. Cindy Puello konnte dabei ihre Projektarbeit innerhalb des Design-Studiums einfliessen lassen. Die bauliche Leitung führte  David Armando Puello. Dabei nutzte er seine Erfahrungen im Baugewerbe eindrücklich. Vor einigen Jahren führte er ein eigenes Bauunternehmen in den USA. So war es möglich das Projekt auf hohem professionellen Niveau umzusetzen. Die Ausführung dient nun dafür, für die Baugruppe Aufträge zu organisieren.

Merchandising

Für unseren Partner Lösung.expert konnten wir eine kleine Charge an Merchandising-Produkten herstellen. Dafür wurde ein Holz-Stern produziert. Für die Umsetzung funktionierte die Zusammenarbeit ausgezeichnet. Der Prototyp wurde in der Schweiz hergestellt und die Zeichnungen und Maschineneinstellungen nach Santo Domingo gesandt. Zwei Jugendliche konnten in die Produktion mit einbezogen werden.

Kunst-Workshop

In den Umfragen zeigte sich, dass vor allem junge Frauen sehr interessiert sind, Ihre Zukunft im Bereich des Kunsthandwerks zu suchen. Das ist grundsätzlich durch ein Studium möglich. Um den jungen Menschen einen Einblick in die Ausbildung zu gewähren organisierten wir einen 2-tägigen Schnupperkurs. Dabei konnten Interessierte am Alltag der Kunstschule teilnehmen. Das Echo war sehr gross und es wird nun in einem weiteren Schritt wichtig sein, Teilnehmenden aus den unteren Schichten einen Zugang zum Studium zu ermöglichen oder zumindest ein Kursprogramm auf die Beine zu stellen.